Adios Ergee – Nachruf auf eine Traditionsmarke

Ergee – diese Marke ist fast allen Bundesbürgern über 30 Jahren ein Begriff aus Kindertagen: wir wurden alle mit dem Ergee Entchen groß. Im Herbst 2008 meldete Ergee Insolvenz an

Ergee ist eine Traditionsmarke, 1901 in Sachsen gegründet, ereilte sie im zweiten Weltkrieg das gleiche Schicksal, wie alle Strumpfhersteller aus Sachsen: die Maschinen enteignet, die Mitarbeiter gefallen, oder bereits im Westen. So entstand im Wirtschaftswunderland in Sonthofen ein kleines Märchen namens Ergee. Mit neuen Maschinen und einem großen Ansporn, erreichte man vieles und stieg schnell zum größten Kinderstrumpffabrikanten der Welt auf. Mit allem was dazugehört: Cornelia Froboess machte genauso gerne Werbung für Ertgee wie Romy Schneider. Und das was heute viele Firmen anstreben, gehörte bereits in den fünfziger Jahren zum guten Ton: eigene Flagshipstores. Gut, die hiessen damals anders, machten aber im Prinzip das gleiche: die eigene Marke präsentieren. Der Niedergang der westdeutschen Textilindustrie erwischte dann in den 60er und 70er Jahren auch Ergee. Hunderttausende Textilarbeiterinnern verloren damals ihre Arbeit, als Standorte ins Ausland verlegt wurden. Und wer in den letzten Jahren einmal in Sonthofen am ehemaligen Hauptstandort vorbeigefahren ist, kann nur erahnen, was hier früher einmal losgewesen sein muss. Bereits 1994 war Ergee insolvent und schloss das Werk in Sonthofen. Obwohl die benachbarte Kunert AG deutlich Interesse bekundete; ging das Unternehmen nach Österreich. Mit der nächsten Insolvenz 2001 wurde es von der Vatter Gruppe übernommen. Die Insolvenz in 2008 soll gerüchteweise mit der Weltwirtschaftskrise zusammenhängen: Es fehlte schlicht das Geld um über den Sommer zu kommen. So soll es in der Folge auch eine ganze Reihe von Interessenten gegeben haben, die Ergee auch als eigenständigen Produzenten weiterführen wollten. Die Lage an den Finanzmärkten, die wohl recht komplizierte Struktur und darin enthaltene Verpflichtungen führten dazu, daß Ergee nun im Discounterumfeld weiterlebt. Die Marke gehört jetzt KiK. Das Ende von Ergee stellte in Österreich übrigens eine der größten Firmenpleiten der Landesgeschichte dar. In Deutschland schaffte es Ergee nicht einmal mehr in die Wirtschaftsteile. Das Firmengelände in Österreich ging an einen russischen Investor, der dort wieder Strümpfe produzieren will. Sehr gespannt darf man sein, wann und wo das Ergee- Ergolan Entchen wieder auftaucht.

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